_ Vorwort



Viele Choreographen der Berliner Tanzlandschaft arbeiten auf internationalem Niveau und Berlin hätte allen Grund, stolz auf sie zu sein. Auch wenn inzwischen durch den grossen Erfolg von Sasha Waltz an der Schaubühne am Lehniner Platz der zeitgenössische Tanz mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit und der Medien gerückt ist, so ist doch die Vielfalt und Qualität der Berliner Tanzschaffenden noch viel zu wenig bekannt.

Dabei ist der Freie Zeitgenössische Tanz einer der bedeutendsten Exportartikel Berlins im künstlerischen Bereich. Es gibt kaum ein wichtiges internationales Festival, auf dem Tanz, made in Berlin, nicht vertreten wäre. Von Berlin gehen wichtige Impulse für internationale Tanzentwicklungen aus. Sasha Waltz und Anna Huber beispielsweise werden von der Tanzkritik als stilbildend für die späten neunziger Jahre gefeiert. Xavier Le Roy gilt als einer der ungewöhnlichsten Vertreter zeitgenössischer Choreographie. Die Tanzcompagnie Rubato und Jo Fabian spielen ihre Produktionen weltweit mit grossem Erfolg, und auch Thomas Lehmen und Felix Ruckert sind bei internationalen Tanzveranstaltern gefragte Choreographen.

Doch muss gesagt werden, dass sie und all die anderen Berliner Freien Choreographen weder beim Berliner Publikum ihrem internationalen Ruf entsprechend bekannt sind, noch von der Berliner Politik angemessen unterstützt werden. Dieses Missverhältnis ist für uns ein wesentlicher Grund, zum ersten Mal den Tanz, made in Berlin, auf einer Plattform vorzustellen, der TANZNACHT BERLIN - einer langen Nacht des Freien Zeitgenössischen Tanzes. Unter der Schirmherrschaft der Akademie der Künste werden Berliner Choreographen uns einen Einblick in ihre Werkstatt geben. Neben eigens für diesen Abend entstandenen Choreographien sehen wir Ausschnitte aktueller Stücke. Fokussiert wie ein Brennglas und gleichzeitig breit gefächert in der Auswahl der Arbeiten soll diese TANZNACHT BERLIN den Berlinern und internationalen Gästen den Reichtum der Berliner Tanzszene ins Bewusstsein rufen, ihre Neugierde für vielleicht Ungewohntes und Ungewöhnliches wecken, sie soll Lust auf Şmehr´ und natürlich auch Spass machen.

Die Tanzfabrik Berlin und das Theater am Halleschen Ufer, zwei zentrale und international bekannte Institutionen für den Berliner Tanz, haben die Initiative ergriffen, die TANZNACHT BERLIN als Veranstalter ins Leben zu rufen, in der Hoffnung, dass sich dieser Event zukünftig als Biennale etabliert.

Da bei der TANZNACHT BERLIN am 9. 12. 2000 in der Akademie der Künste nur eine kleine Auswahl von Choreographen präsentiert werden kann, entschlossen wir uns, die Vielfalt der Berliner freien zeitgenössischen Tanzszene mit Bild und Text vorzustellen. Mit diesem Katalog dokumentieren wir die Arbeit einiger wesentlicher in Berlin arbeitender Choreographen; Vollständigkeit kann nicht das Ziel sein, sondern die exemplarische Hervorhebung interessanter Arbeitsansätze. Gedacht ist dieses Nachschlagewerk für ein interessiertes Publikum, um das Wissen über diese Kunstsparte und ihre Protagonisten zu vertiefen, wie auch für die professionellen Veranstalter national und international, um das Interesse an in Berlin entstandenen Tanzprojekten zu erweitern und wichtige Informationen überblicksmässig zugänglich zu machen.

Wir bedanken uns bei allen Künstlern für ihre Beiträge und bei allen Beteiligten für ihr Engagement, bei der Akademie der Künste für die Schirmherrschaft und die grosszügige Unterstützung zur Herstellung dieses Katalogs. Ganz besonders bedanken wir uns für die grundlegende Förderung der TANZNACHT BERLIN durch den Hauptstadtkulturfonds der Bundesrepublik Deutschland.

Tanzfabrik Berlin
Theater am Halleschen Ufer