_ Grusswort des Schirmherren

von Dr. Dirk Scheper
Akademie der Künste


Nicht immer ist die inhaltliche Verbindung zwischen Schirmherr und Beschirmten so eindeutig wie die zwischen den Veranstaltern der TANZNACHT BERLIN und der Akademie der Künste. Als eine mit der Förderung befasste Institution beherbergt sie die TANZNACHT BERLIN in der vollen Überzeugung, ein ausgesprochen sinnvolles Projekt zu fördern. Die konzentrierte Vorstellung von Berliner Gruppen und Solisten aus der Freien Tanzszene in einer langen Nacht bietet Journalisten, Fachleuten und Tanzveranstaltern einen kompakten Überblick. Aus diesem Grund sind derartige Foren in der Fachwelt sehr beliebt und haben eine beträchtliche Werbewirkung. Darauf ist die Berliner Freie Tanzszene gegenwärtig mehr denn je angewiesen. Angesichts der eingeschränkten Förderungsmöglichkeiten der Öffentlichen Hand sind Selbsthilfemassnahmen wie die TANZNACHT BERLIN geradezu überlebenswichtig und verdienen jede nur mögliche Unterstützung.

Dieser Appell, man stellt es beklommen fest, hat seit vielen Jahren Gültigkeit. Behördliche Erklärungen wiederholen sich, warum eine durchaus berechtigte und dem Standard der emporkommenden Szene angemessene Aufstockung der Förderung im Augenblick leider nicht möglich sei, als erstrebenswertes Ziel jedoch in Aussicht genommen bleibe. Mit den Jahren altern diejenigen, die in dieser Weise vertrösten, und werden durch jüngere Bedenkenträger mit gleicher Wortwahl ersetzt. Die Mitglieder der erwartungsvollen Tanzklientel altern etwas früher. Sie werden durch frische Aktive abgelöst, die wieder von vorne anfangen, um bald bei der berüchtigten Selbstausbeutung ihrer Vorgänger anzukommen. Auch wenn derzeit Klageverbot herrscht, darf in diesem Zusammenhang nicht verschwiegen werden, dass es für den Tanz so gut wie keine Sponsoren gibt, dieser Ausweg also wegfällt. Über den desaströsen Zustand unserer Finanzen kann kein kulturbefasster Einwohner Berlins hinweggehen, und schlechter Wille ist in der Mehrheit der Fälle weder Kulturbeamten noch Sponsorenmittelverweigerern ernstlich nachzusagen. Das Licht am Ende des Tunnels, auf das der damalige Kultursenator Ulrich Roloff-Momin 1993 so denkwürdig zu warten verhiess, hat sich hier und da hoffnungsvoll flackernd gezeigt, um gleich wieder zu verlöschen. Nie hat es jenes Strahlen erreicht, das die Konstituierung solcher Projekte wie Tanzhaus, Choreographisches Zentrum, BerlinBallett, einer repräsentativen Modernen Kompanie und eines Ortes zentraler Tanzausbildung ausgelöst oder gar die Sicherstellung von "Tanz im August", TanzWerkstatt, Tanzkalender, von Produktionsmitteln in den Spielstätten und - wenngleich vermutlich utopisch- einer gerechten Förderung Freier Gruppen und Solisten ermöglicht hätte, von einer sinnvollen Abstimmung aller dieser Teile von "Tanz in Berlin" ganz zu schweigen.

Dass trotz dieser Lage alte wie neu hinzukommende Tanzkünstler sich dennoch immer wieder zu frischer Aktivität herausgefordert fühlen, kann ein Veteran der Unterstützung solcher Anstrengungen immer nur bewundern und still den Beweisen real existierender Unsterblichkeit des Tanzes zurechnen. Still, weil die Akademie der Künste mit ihren durchaus ruhmvoll gewesenen Bemühungen um den Tanz seit dem Zusammenwachsen der östlichen und westlichen Akademie unleugbar nachgelassen hat, da sie mittlerweile andere Schwerpunkte setzt. Immerhin ist die nachwendliche Errungenschaft des mittlerweile eingeschlafenen "Runden Tisches Tanz" inzwischen durch die auch den Tanz unterstützende Wirkung des gleichfalls der Akademie angeschlossenen "Rats für die Künste" in Berlin abgelöst. Wenn nun auch die Bühne der Akademie wieder einmal für die Belange des Tanzes in Anspruch genommen wird, verbinden sich in der TANZNACHT BERLIN Vergangenheit und Gegenwart zu einer für alle Beteiligten hoffnungsvollen Perspektive.

Dr. Dirk Scheper
Akademie der Künste